Gegen das Vergessen! Zeitzeugen-Gespräch zum Holocaust mit Hr. Grube

Organisiert von den Respect Coaches und Herrn von der Sitt, Klassenleiter der 8A, moderiert von Frau Birgit Mair, nahmen die Schüler*innen der 8., 9. und 10. Klasse der Mittelschule St. Wolfgang am Zeitzeugengespräch von Herrn Ernst Grube per Videokonferenz teil.

Herr Grube wurde vor der Machtergreifung der Nazis in München geboren und wuchs als Sohn eines Malermeisters und einer jüdischen Krankenschwester auf. Er zeigte anhand von Dokumenten und Fotografien aus dieser Zeit auf, wie die jüdischen Mitbürger von den Nationalsozialisten systematisch diffamiert, diskriminiert und verfolgt wurden. Trotz der Anfeindungen gab es immer noch jüdisches Leben in München und die jüdische Gemeinde unterhielt soziale Einrichtungen für die Gemeindebürger, wie z.B. ein Krankenhaus, ein Altenheim und ein Kinderheim.

Es begann in München im Jahr 1938 mit dem Abriss der Synagoge und der Kündigung der Wohnungen jüdischer Bürger. Damit wurden die sozialen Kontakte der jüdischen Familien systematisch unterbrochen und Herr Grube kam mit seinen Geschwistern in ein jüdisches Kinderheim. Dort lernte er erstmals jüdisches Leben kennen, denn innerhalb der Familie fand keine religiöse Erziehung statt. Im Kinderheim war das Leben toll, so Grube, „draußen wurden wir als „Saujuden“ beschimpft!“ In der Heimschule war der Unterricht wegen Lehrermangels nur noch rudimentär, eine herkömmliche Schule durften jüdische Kinder damals nicht mehr besuchen.

Ab Oktober 1941 musste der Judenstern getragen werden. Dann begannen die Deportationen in die Vernichtungslager. Im November 1941 wurden 24 Kinder aus dem Heim deportiert, aus dem Münchner Ghetto ca. 1000 Juden. Im Frühjahr 1942 wurden wieder 21 Kinder aus dem Heim deportiert und weitere Juden aus München. Die übrigen 12 Kinder des Heimes kamen in das Münchner Ghetto. Dieses wurde von den Nazis „gegründet“, da Juden laut Gesetz keine Wohnung mehr haben durften. Die Wohnungsnot im Ghetto war groß, die Lebensumstände in den Barracken erniedrigend: enges Zusammenleben, keine Schränke, menschliche Konflikte. In erster Linie diente das Ghetto dem Sammeln der jüdischen Mitbürger zum Abtransport in die Konzentrationslager. Nachdem er in mehreren Lager-Ghettos in München war, kam er 1942 nach jahrelanger Trennung zu den Eltern zurück.

Die Familie musste sich neu aneinander gewöhnen, die kleine Schwester Ruth hatte die eigene Familie noch nie erlebt. Doch die Umstände wurden noch schwieriger als bisher: die Kriegssituation verlagerte sich nach Deutschland, Bombenangriffe der Alliierten wurden zur zusätzlichen Belastung. Trotz des Druckes seitens der Nazis ließ sich der Vater nicht von seiner jüdischen Frau scheiden. Grubes Mutter musste Zwangsarbeit leisten, durfte weder Zug noch Straßenbahn benutzen, war ausgegrenzt. Die Familie lebte in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung. Diese bot keinen Schutz gegen die Bombenangriffe, und Juden durften nicht in die Luftschutzkeller. Sie durften auch nur in 3 Läden einkaufen, bekamen kaum Lebensmittel, da viele davon für Juden gestrichen wurden.

Die Familien der Schwestern mütterlicherseits wurden 1941/42 nach Polen deportiert. Die Stimmung in der Familie war sehr bedrückend, denn man wusste nicht, was mit den Verwandten passierte oder ob sie noch leben. Alle Verwandten wurden von den Nationalsozialisten ermordet.

Im Februar 1945 wurden schließlich auch die Grube-Kinder und ihre Mutter in das Ghetto Theresienstadt (Terezin), gelegen in der Nähe von Prag, deportiert. Im sogenannten „Generalgouvernement“, dem heutigen Gebiet von Polen und Tschechien, wurden von den Nazis Ghettos für sämtliche Juden aus den besetzten Gebieten geschaffen und neben diese Lager wurden die Konzentrationslager für deren Vernichtung gebaut.

Auf die Frage, welche Überlebensstrategien Hr. Grube in Theresienstadt hatte, antwortete er „Hoffnung und der Vater!“. Die Familie überlebte die Judenverfolgung – eine absolute Ausnahme. Nach dem Krieg musste sich die Familie wieder in ein gemeinsames Leben einfinden. Es gab keine Wiedergutmachung oder Hilfe, es gab kaum Wohnungen für jüdische Mitbürger. „Das Hineinkommen in das Leben danach war schwierig!“  erklärte Herr Grube.

Heute erzählt der fast 90-jährige Ernst Grube bei unterschiedlichen Veranstaltungen als Zeitzeuge seine Geschichte und berührt damit Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen.

Die Schulgemeinschaft der Mittelschule St. Wolfgang bedankt sich herzlich bei Herrn Grube für die berührenden und tiefen Einblicke in das jüdische Leben während des Nationalsozialismus in Deutschland. Es mahnt und verpflichtet uns täglich gegen jegliche Art von Diffamierung, Diskriminierung und Rassismus einzustehen!

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